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Publication type: Working paper – expertise – study
Title: Arbeit und Familienleben an einem Ort : eine Studie zur digitalen Transformation in Zeiten der Corona-Pandemie
Authors: Quehenberger, Julia
Lätsch, David Cyrill
Tausendfreund, Tim
Gavez, Silvia
Gabriel, Thomas
et. al: No
DOI: 10.21256/zhaw-23312
Extent: 40
Issue Date: May-2021
Publisher / Ed. Institution: ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Publisher / Ed. Institution: Zürich
Language: German
Subjects: Digitale Transformation; Home-Office; Familienalltag
Subject (DDC): 306.8: Family sociology
331: Labor economics
Abstract: Bedingt durch die Corona-Pandemie verbrachten die allermeisten Mitarbeitenden der ZHAW ihre Arbeitstage im Sommer 2020 überwiegend oder ausschliesslich im Home-Office. Für diejenigen Mitarbeitenden, die mit ihren Kindern zusammenlebten, bedeutete dies eine räumliche Verdichtung von Arbeit und Familienleben, wie sie als gesellschaftlicher Normalfall zuletzt im vor-industriellen Zeitalter bestand. Die digitale Transformation lässt erwarten, dass diese neue Einheit des Ortes für jene Arbeitnehmenden, die ortsungebunden und immateriell produzieren, zur Normalität werden wird. Die Situation des Sommers 2020 bedeutet in dieser Hinsicht keine historische Anomalie, sondern eine Konzentration von Verhältnissen, wie sie künftig für beträchtliche Teile der arbeitnehmenden Eltern – darunter die Mitarbeitenden von Hochschulen – gelten dürften. In der vorliegenden Studie wird untersucht, welche Auswirkungen diese räumliche Synthese auf das subjektive Belastungserleben der Mitarbeitenden und ihrer Kinder, auf die wahrgenommene Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und auf die Qualität des Familienlebens hat. Die Grundgesamtheit der an der ZHAW tätigen Eltern und die Situation im Sommer 2020 interessieren als Spezialfälle, die auf allgemeinere Verhältnisse verweisen. Zur Untersuchung der skizzierten Erkenntnisinteressen wurden im Juni 2020 sämtliche Mitarbeitenden der ZHAW, die Eltern sind, sowie deren Kinder (ab 10 Jahren) zur Teilnahme an einer Online-Befragung eingeladen. An der Studie beteiligten sich 148 Mitarbeitende, davon 68.3 % Frauen. 37.1 % der Teilnehmenden gehören dem administrativ-technischen Personal an, 28.7 % dem wissenschaftlichen Mittelbau, 34.3 % der Gruppe der Dozierenden. An der Studie nahmen 27 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 20 Jahren teil, davon 48.1 % Mädchen. In den Ergebnissen zeigt sich, dass das Home-Office im Sommer 2020 bei den Mitarbeitenden nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich zu einer Entgrenzung zwischen Arbeits- und Familienleben führt: Viele arbeiten nun häufiger auch abends und am Wochenende, als sie dies vor dem Lockdown getan hatten. Dennoch wirkt sich die neue Einheit des Ortes überwiegend positiv auf das Familienleben der an der Studie beteiligten ZHAW-Mitarbeitenden aus. Die Mitarbeitenden sind gemäss eigenen Angaben häufig zufriedener mit der Gestaltung des familiären Alltags, als sie dies vor dem durch die Pandemie bedingten Lockdown gewesen waren. Auch beurteilen sie die Zufriedenheit ihrer Kinder mit der neuen Situation überwiegend als hoch. Zudem sind die Kinder und Jugendlichen selbst mit der Situation mehrheitlich zufrieden. Viele Eltern verbringen nun mehr Zeit mit ihren Kindern, als sie das vor der Pandemie getan hatten. Dieser Zuwachs fällt bei den Vätern noch stärker aus als bei den Müttern und bei den Dozierenden stärker als bei den anderen beiden Personalkategorien. Rund die Hälfte der Eltern fühlt sich durch die Verlagerung der Arbeit ins Home-Office entlastet, rund ein Fünftel fühlt sich belastet. Diese mehrheitlich positive Beurteilung gilt – in leicht schwankendem Ausmass – für Mütter wie Väter, für Elternteile mit Partner wie auch für Alleinerziehende, für Eltern mit jüngeren und älteren Kindern und für Angehörige aller Personalkategorien. Dennoch gibt es eine substanzielle Minderheit von Eltern und Familien, denen der Umgang mit den veränderten Verhältnissen weniger gut gelingt. Negativ scheint sich generell das Mass an Arbeitsbelastung sowie speziell ein hohes Pensum in der Lehre auszuwirken. Grössere Schwierigkeiten haben zudem Familien mit Kindern im Jugendalter und Familien mit mehreren Kindern. Im Mittel weniger zufrieden sind auch Eltern, deren Partnerin oder Partner zeitgleich im Home-Office tätig ist. In ihren Begründungen für die erlebte Entlastung und die höhere Zufriedenheit mit dem Familienleben weisen viele Eltern darauf hin, dass sie durch den Wegfall des Arbeitsweges Zeit sowohl für die Arbeit als auch für die Familie gewinnen. Die neue Einheit des Ortes scheint zudem das Potenzial zu haben, dass die seit der Moderne so sorgsam kultivierte Sphäre des Heimischen ihren Charakter der Geborgenheit und individuellen Gestaltbarkeit auf die Arbeitsumgebung überträgt. Damit dieser Zuwachs an Potenzial nicht zur Zumutung wird, ist freilich eine individuelle und soziale Kompetenz gefordert, die wir als Begrenzungskompetenz bezeichnen. In welchem Ausmass sich die Vorteile der neuen Einheit entfalten können, ist zudem von materiellen Verhältnissen abhängig, insbesondere von der Eignung der bisher so genannten Wohnungen als hybride Arbeits- und Lebensorte. Auch betreffen die in der vorliegenden Studie sich abzeichnenden Vorteile für die Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben nur jene Arbeitnehmenden, die immateriell und ortsungebunden produzieren. Andere Teile der Bevölkerung sind von der neuen Einheit des Ortes ausgeschlossen. Da dieser Ausschluss voraussichtlich sowohl prestigearme als auch prestigeträchtige Berufe betreffen wird, könnte sich hier eine neue Form sozialer Ungleichheit entwickeln – eine, die die bisherigen sozioökonomischen Schachtelungen der Gesellschaft durcheinanderbringt.
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/23312
License (according to publishing contract): Licence according to publishing contract
Departement: Social Work
Organisational Unit: Institute of Childhood, Youth and Family (IKJF)
Published as part of the ZHAW project: Digitale Transformation und Alltagsgestaltung von Familien während der Coronakrise: Auswirkungen auf das Wohlbefinden ZHAW-Mitarbeitender und ihrer Kinder
Appears in collections:Publikationen Soziale Arbeit

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